DIE BY THE SWORD

Atelier Totori: The Adventurer of Arland

Posted in Games by DieByTheSword on 23. September 2012

Lalala~ Geh ich heute Einkaufen und Materialien sammeln, um anschließend mit Alchemie etwas schönes herzustellen, oder schnappe ich mir meine Freunde und erkunde die Gegend während ich mich im Kampf erprobe? Ich könnte auch ein paar Quests machen, bin ja schließlich eine Abenteurerin! Huch, ich muss alles machen und zwar möglichst schleunigst, weil mir sonst mein ganzer Fortschritt entzogen wird? Uhh~

Atelier Totori ist ein RPG für die PlayStation 3 und mein vermutlich erster und letzter Kontakt mit der seit PS2-Zeiten bestehenden Atelier-Serie von Gust. Totori ist eine der wenigen Alchemisten in der Republik Arland und möchte nun zu allem Überfluss auch noch Abenteurerin werden, um ihre lange vermisste Mutter, die diesen Beruf ebenfalls ausübte, zu finden. Nach anfänglichen Zoffereien mit Schwester und Vater geht es mit Sandkastenfreund Gino auf der Kutsche nach Arland, um eine Abenteurerlizenz, ohne die man nicht in gefährliche Gebiete gehen kann, zu erhalten. Kaum in der Hauptstadt angekommen trifft man schon die ersten zwei Tsundere (Harte Schale, weicher Kern) und etliche Anime-Klischees werden ausgepackt. Hab ich erwähnt, dass Totori ein süßes, kleines unschuldiges Mädchen ist und oft tollpatschig handelt? Auch anderen Charakteren sieht man meistens sofort an wie sie sich verhalten. Aber gut, wollen wir mal ein Otaku-Spiel nicht ob seiner Existenzgrundlage kritisieren.

Wo wir schon mal bei Charakteren sind, Charaktere sind eigentlich quasi der Hauptantrieb des Spiels. Die ursprüngliche Geschichte, also das finden der Mutter, nimmt erst sehr spät im Spiel wieder Relevanz an. Statt vollwertigen Zwischensequenzen hat man sich für das Einblenden von hübsch gezeichneten Charakterartworks, die je nach Reaktion durchwechseln (z.B. normal, überrascht, wütend) und Textboxen mit voll vertontem Dialog in Englisch oder Japanisch entschieden. Ich habe natürlich den japanischen Ton gewählt, um mich an den kreischenden Stimmen zu „erfreuen“. Wenn mal ein besonders wichtiges Geschehen der Geschichte ansteht, bekommt auch mal der Hintergrund ein hübsches Artwork verpasst, sonst verschwimmt das Bild nur und blendet die langweiligen Cel-Shading Charaktere und Umgebung etwas aus. Bei dem Umfang an Dialog kann ich zwar verstehen, dass hier auf diese Darstellung zurückgegriffen wurde, aber wenn man die eben erwähnte unterdurchschnittliche Grafik hinzunimmt, merkt man, dass hier nicht viel investiert wurde. Der starke Charakterfokus hat aber auch seine positiven Seiten, so hat man zwar sehr wenige Shops und das Heimatdorf und die Hauptstadt sind wirklich sehr klein, aber die Besitzer der Einrichtungen sind vollwertige Charaktere mit denen sich öfters Gespräche ergeben – ein erfrischender Ansatz im vergleich zu üblichen JRPGs, in denen lediglich das Sortiment einen noch mal zu einem bestimmten Händler zurückkehren lässt.

Was gehört zu einem richtig guten RPG? Richtig, eine Oberwelt. Wie, Atelier Totori hat nur eine Karte mit vorgezeichneten Routen? Ich kann den Ansatz zwar verstehen, da er mit dem eingangs angedeuteten Zeitlimit zusammenspielt, denn jedes mal wenn man sich auf der Karte fortbewegt, geht der Zähler für die Tage weiter nach oben. Auch das aufploppen neuer Routen und Orte auf der Karte wäre ohne sie wesentlich schwieriger lösbar gewesen. Bei der Fülle an Wegen kann man ja schlecht überall scheinbar unüberwindbare Hindernisse aufstellen. Im Umkehrschluss bringen diese zahlreichen Orte auf der Karte aber auch viel zu kleine Gebiete mit sich und als Dungeons kann man diese zum Großteil mickrigen und strikt linearen Areale nicht wirklich bezeichnen. Doch all diese zu durchlaufen und zu erkunden ist unablässig, denn dafür hagelt es Abenteurerpunkte, die für den Rang-Aufstieg und damit der Bewältigung der Zeitlimits bitter nötig sind. Dumm nur, dass das Kampfsystem und die Gegner der öden Art angehören. Ähnlich wie bei Final Fantasy X ist es strikt rundenbasiert und man kann die Reihenfolge anhand einer kleinen Leiste nachvollziehen. Einzige Besonderheit ist das dynamische eingreifen eines Charakters rechts (R1) oder links (L1) von Totori entweder verteidigend oder auch mal mit einem Gegenangriff. Besonders die wenigen Spezialattacken zeigen, dass nicht viel Wert auf das Kampfsystem gelegt wurde. Da liegengelassene Charaktere nicht mitleveln, sollte man möglichst nicht oft wechseln und von Anfang an schlagkräftige Charaktere wählen, sonst endet man wie ich an zu starken Gegnern mit den falschen Charakteren und zu „wenig“ Erfahrung.

Man kann wohl mit Fug und Recht behaupten, dass die Alchemie den wirklichen Kern des Spiels ausmacht. Zumindest ist es das am schlüssigsten eingebaute Spielelement, denn es ist Totoris Ausgangsfähigkeit, man kann damit allerlei Quests lösen, man verarbeitet damit die zahlreichen Materialien und kann sogar später im Spiel erstellte Gegenstände in den Geschäften registrieren lassen, so dass man sie nicht mehr mühsam selbst herstellen muss. Die Logik dahinter hinkt zwar etwas, da es neben Totori nur zwei andere Alchemisten in Arland gibt und diese die Aufgabe wohl kaum erfüllen und somit fraglich ist, wie die Inhaber denn dann an diese Gegenstände kommen, aber praktisch ist es allemal. Leider, leider, wie schon erwähnt, muss man sich auch mit dem Rest, also den langweiligen Kämpfen und den stumpfsinnigen Quests herumschlagen, alles nur um im Rang aufzusteigen und das Zeitlimit abzuwenden. Mir ist es nicht gelungen, ich hatte von allem etwas gemacht, und als ich noch reichlich Punkte brauchte, die in der Exploration zu holen gewesen wären, wurde mir ein starker Charakter entzogen, der dann nirgends mehr aufzufinden war. Allein mit Alchemie war es nicht mehr zu schaffen, die verbraucht nämlich auch reichlich Zeit, ebenso wie das Sammeln von Materialien, unrealistischer Weise ein Drittel vom Tag, wenn man nur von einer Stelle von vielen eines Gebietes aufsammelt. Ich hätte zwar noch einen Speicherstand davor, aber da der Charakter höchstwahrscheinlich wieder verschwinden wird, sehe ich keine Möglichkeit mehr, noch weiter in dem Spiel fortzuschreiten. Die Motivation war im Keller und dieser Text ist das Resultat.

Das klingt zwar etwas harsch, aber es gibt sicher auch Leute, die gefallen an diesem Spiel finden — mich nerven die Klischee-Charaktere, die belanglose Geschichte gepaart mit langweiliger ereignisloser Spielwelt und unnützem Zeitlimit.

Meine Wertung: 65%

Manch einer mag nun sagen: „Hey, du hast es nicht mal richtig durchgespielt, da ist es doch unfair eine Wertung zu geben.“ Mag auf andere Spiele vielleicht zutreffen, aber hier wurde das von mir erreichte Ende als „Bad End“ gekennzeichnet, also hab ich es technisch gesehen schon irgendwie durchgespielt. Außerdem reichen die rund 25 Stunden, die ich in dem Spiel verbracht habe, um seine Essenz zu erfassen.

In Japan steht übrigens bald eine Neuauflage für die PlayStation VITA an.

[YouTube] Atelier Totori: Alchemist of Arland 2 Trailer HD: http://www.youtube.com/watch?v=2P638T3Dt2o

Eine Antwort

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  1. Dazs said, on 23. September 2012 at 14:00

    Wenn ich mich nach 25 Stunden wegen eines ominösen Zeitlimits mit dem unweigerlichen Fehlschlag konfriontiert sähe, würde mir auch die Lust vergehen. Auch sonst nimmst du verständliche Kritikpunkte auf. Da mir letztendlich nur das Char-Design auf den Screenshots gefällt, werde ich mir wohl nur Artwork zu Atelier Totori zu Gemüte führen.


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